Lachsforelle, Holunderkapern-Vinaigrette, Kopfsalatpüree

Lachsforelle, Holunderkapern-Vinaigrette, KopfsalatpüreeJa, im Prinzip sind da nur drei Komponenten auf dem Teller. Das sieht einfach aus, wobei ich mich bemüht habe, es nett anzurichten. Nun gut, zumindest der Teller ist schön. Um es vorwegzunehmen, Lachsforelle, Holunderkapern-Vinaigrette, Kopfsalatpüree schmeckte auch köstlich. Doch der Weg bis zum Foto und zum kurzen Glücksmoment beim Essen war lang. Schuld daran ist Nils Henkel.Holunder im ZooparkDoch eigentlich ich. Denn ich habe mich ja von einem Facebook-Posting eines meiner Lieblingsköche inspirieren lassen. Holunderkapern. Dabei handelt es sich nicht um herkömmliche Kapern, die mit Holunderblütenessenz, -essig oder -sirup verfeinert werden. Die kleinen Dinger sind grüne, unreife Holunderbeeren. Geerntet nach der Holunderblüte und vor den dunklen Früchten. Klingt doch spannend! Und im Zoopark in Düsseldorf vor der Hautür wachsen Unmengen davon. Da lasse ich lasse mich beim spontanen Sammeln nicht von irritiert blickenden und neugierig fragenden Spaziergängern stören. Weiterlesen

Appetithappen: Berens am Kai, Düsseldorf

Berens am Kai Interieur RestaurantWie war das noch mal? Rettet das Mittagessen? Ich mag das ja, mittags gut essen zu gehen. Da sind die Geschmacksnerven sowie der Geruchssinn noch viel aufnahmebereiter als am Abend. Auch der Service und ich sind oftmals entspannter. Nicht zu vergessen das Tageslicht, das   sich für Fotos viel besser eignet. Und ich werde nicht müde zu betonen, dass ich günstig kalkulierte Lunchangebote gerne als Probe für ein mögliches Abendessen sehe, aber eben nicht als Grundlage für eine abschließende Einschätzung.

Leider haben in Zeiten der stärker kontrollierten Arbeitszeiten – richtig! – viele Spitzenrestaurants ihre Öffnungszeiten eingedampft und dabei als erstes den Mittag – schade! –  gestrichen. Kein Wunder, ausgedehnter Business-Lunch im Sternerestaurant ist gerade außer Mode. Es gibt keine Spesenritter mehr.Berens am Kai Interieur Eingang

So ist das Berens am Kai im Düsseldorfer Medienhafen, eine dieser letzten Lunch-Bastionen, an diesem Mittag wenig frequentiert. Gerade zu dieser Zeit punktet das puristisch eingerichtete Restaurant – blanke, graue Betonwände, weiß eingedeckte Tische, schwarze Lederstühle und ein wenig braunes Holz – mit seinen großen Fensterfronten. Der Gast blickt auf die moderne Architektur und Kran-Fragmente des ehemaligen Hafengeländes; dabei ist er von neugierigen Blicken von außen geschützt. Die großzügige Stellung der Tische bietet Privatsphäre. Ich finde das lässig hier.

Nun bin ich zwar (!) kein Komplettist, aber (!) mit dem Besuch im Berens am Kai vervollständige ich meine Besuchsliste aller Düsseldorfer Restaurants, die mit einem (Agata’s, Tafelspitz 1876, Nagaya, Victorian, Enzo im Schiffchen) oder mit zwei Sternen (Im Schiffchen) im Guide Michelin ausgezeichnet sind. Beim Berens am Kai war ich aufgrund der teils vernichtenden Kommentare im Internet auf diesen unsäglichen Bewertungsportalen ein wenig skeptisch. Dabei gibt es das Restaurant von Holger Berens, der unter anderem bei Günter Scherrer im Victorian und bei Jean-Claude Bourgueil Im Schiffchen durch eine gewiss harte Schule ging, bereits seit 1998. Zudem weiß ich, dass oft weinaffine Gäste das Restaurant und auch den Küchenchef okkupieren. Aber kommen wir zum Geschäftlichen, dem Business-Lunch…Apéro
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Enzo im Schiffchen, Düsseldorf

Als ich einem befreundeten Koch von meinem Besuch im Enzo im Schiffchen mit den Worten „…ganz schön klassisch!“ erzähle, lautet seine im ersten Moment überraschende Antwort: „Ich feiere das!“. Er bezieht sich natürlich besonders auf die klassische, von französischer Kochkunst geprägte Küche im Hauptrestaurant „Im Schiffchen“ in der bel étage. Mein Besuch im einzigen Zweisternerestaurant Düsseldorf datiert noch aus der Anfangszeit dieses Blogs und sei nur der Vollständigkeit halber und zum retrospektiven Schmunzeln erwähnt.

Von 1987 bis 2006 leuchteten drei Sterne über dem prächtigen, niederrheinischen Barockhaus im dörflichen Fleckchen am Rhein. Und zeitweise gar vier, als auch noch das Zweitrestaurant einen Stern erhielt und das Schiffchen zeitweilig zum höchstbesternten Etablissement in ganz Europa machte! Von einst 18 Punkten im Gault Millau sind schlappe 16 übrig geblieben – doch wer nimmt dieses Pamphlet außer aktuell zu ihrer Zufriedenheit Prämierten überhaupt noch ernst?! Das Enzo wird dort gar nicht bewertet, was nicht am Zweitrestaurant-Charakter liegen kann, denn beispielsweise wird Karl-Emil Kuntz‘ rustikale Pfälzer Stube in Herxheim-Heyna  neben dem Gourmetrestaurant Krone wiederum aufgeführt.DSC_4673Jean-Claude Bourgueil eröffnete das Enzo bereits 2012. Namensgeber ist Restaurantleiter Enzo Caso, der auch mit den Anstoss zu dieser neuen Küchenrichtung gab und nun den Gastgeber gibt – molto italiana, versteht sich. Der schmale, wie ein Schiffsrumpf ausstaffierte Erdgeschossraum war schon immer eine erfolgreiche Spielwiese des Altmeisters. Einst beheimatete er den Aalschokker, wo in einer Zeit, zu der niemand auf diesem Niveau darüber sprach, deutsche Küche serviert wurde. Darauf folge das weltläufigere Bistro Jean-Claude. Zum ohnehin leicht maritimen Charakter gesellen sich jetzt italienische Malereien und dezente Dekoration. Der an diesem lauen Abend nicht benötigte Ventilator wirkt auch wie ein aus Süditalien importiertes Zitat.

Gerade durch sein Kochbuch Typisch Deutsch fühle ich mich dem mittlerweile 69-Jährigen Patron Jean-Claude Bourgueil verbunden. So widmet er sich darin, bevor es in Mode kam, (einer Verfeinerung) der deutschen Küche und ist sich auch nicht zu fein, die durchaus existierenden und nicht zu verachtenden Wurzeln zu suchen und zu dokumentieren. Ein größeres Kompliment als Nachkochen kann ich einem Kochbuch nicht machen: Mindestens einmal im Jahr versuche ich mich an seinem Sauerbraten nach der Modena Reise und produziere den „vermutlich besten Rotkohl der Welt“.

Meine erste Reaktion beim überraschenden kulinarischen Schwenk war „Nicht noch ein Italiener!“, schließlich ist Düsseldorf von der stets populären Italo-Gastronomie dicht besiedelt. Von deren teilweisen kulinarischen (Ab)Gründen und der Selbstverleugnung soll hier jetzt nicht die Rede sein. Denn es an der Zeit, sich ein Bild vom Enzo zu machen.DSC_4667Zum Aperitivo kommt erst einmal eine Version eines der wahrscheinlich bekanntesten italienischen Gerichte auf den Tisch: Pizzetta al tartufo, eine kleine Pizza mit Taleggio und Trüffel. Der Teig ist sehr knusprig und nicht nur deshalb erinnert die Köstlichkeit etwas an Flammkuchen. Die Kombination aus dem intensiven Käse und durch Wärme und Fett aromatischen Trüffel lässt uns beinahe nach einem Exemplar mit 28 Zentimetern Durchmesser fragen. Weiterlesen

Appetithappen: Tafelspitz 1876, Düsseldorf

DSC_4631Ich hatte mir fest vorgenommen, diese Restaurantkritik nicht mit der vielfach zitierten Biografie von Inhaber und Küchenchef Daniel Dal-Ben zu beginnen. Doch nach unserem Besuch im Tafelspitz 1876 ist diese unumgänglich. Dabei spielt eher keine Rolle, dass der 43-Jährige unter den Küchenchefs der, für eine Landeshauptstadt gar nicht so vielen Restaurants mit Michelinstern (6 mal 1*, einmal 2*), das einzige Düsseldorfer Urgestein ist. Viel wichtiger ist, dass er vor seiner Restauranteröffnung „nur“ eine Kochlehre im Brauereiausschank Frankenheim absolvierte und  weitere markante Stationen fehlen.

Bereits 2002 eröffnete er sein Restaurant in einer Seitenstraße der berühmten (Eisstadion) und vielbefahrenen Brehmstraße am Rande des Zooparks. Ebenso wie im Zoopark außer Enten, Gänsen und Häschen schon lange keine Tiere mehr leben, gibt das klassische, namengebende österreichische Gericht keinen Aufschluss über die Küchenrichtung im Restaurant. In  Wohnzimmeratmosphäre kümmert sich neben dem kleinen Küchenteam nur die herzliche Restaurantleiterin Swetlana Brakowski um die Gäste. Seit Ende 2008 leuchtet ein Michelinstern über dem Restaurant, das wir als „Nachbarschafts“-Restaurant zwar häufiger besucht haben, zuletzt allerdings vor längerer Zeit – abgesehen von einer Belieferung durch Foodora.

Wir nehmen bei milden Temperaturen auf der kleinen Terrasse Platz. So erklärt sich die abnehmende Bildqualität der Fotos bei schwindendem Licht und ist nicht dem übermäßigen Alkoholkonsum geschuldet.

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Da braut sich was zusammen

DSC_4558Möglicherweise ist dies auch eine Geschichte vom Scheitern. Das kommt vor, wenngleich gewöhnlich in der Berichterstattung naturgemäß eher kurz. Für einen Moment steht für mich persönlich gar die strapazierte Redewendung „Hochmut kommt vor dem Fall“ zur Disposition. Die Fallhöhe jedenfalls ist beachtlich, denn wir sind zurück im Marieneck in Köln.DSC_4593Zum zweiten Mal nach der letztjährigen Premiere des Rheinkombinats beim Summer of Supper kochen wir für 40 Gäste auf. Zwei hintereinander, das ist schon so etwas wie eine Serie, oder? In diesem Zusammenhang möchte ich aber nichts von Binge hören – öfter als einmal im Jahr muß das eigentlich* nicht sein. Das ist herausfordernd und anstrengend. So steigt mein ohnehin schon vorhandener Respekt für das tägliche Tun von Küchencrews überproportional.DSC_4154 Weiterlesen