Restaurant „Rosin“ in Dorsten

Wiederbesucht wurde das Restaurant Rosin. Natürlich hatte uns auch die „Verpflichtung“ von Susanne Spies als neue Sommelière interessiert, aber auch, wie sich die Kochkunst von Frank Rosin entwickelt hat.

 

Positiv überraschte das renovierte Interieur, denn bei unserem letzten Besuch sah es im Restaurant weniger schick aus. Die Atmosphäre ist locker, die Gäste gemischt, der Service allerdings sagte mir mit Ausnahme von Susanne Spies nicht völlig zu. Frau Spies war aber noch die neue Umgebung anzumerken. Ob ihr die Eingewöhnung gelingt, werden wir aber nicht so schnell überprüfen können, da unsere Wege aus verschiedenen Gründen Dorsten nicht kreuzen werden.

 

Daß ein wenig die Begeisterung fehlt, liegt sicherlich nicht am Essen von Frank Rosin, daß zu recht mit einem Stern und 16 Gault Millau-Punkten ausgezeichnet ist. Auch die „Schmackofatz“ („Pumpernickel-Bonbon vom Rügen Matjes“, „Sellerie-Schaumbrot vom Stör“, „Kleiner Tapas-Gruß aus Barcelona“, „getrüffeltes Sauerkrauteis mit Tunfisch“ und – als einziges nicht als Löffelgericht- „Soufflierte Aniszitronen“), die zwischen den Gängen statt eines Amuse bouche gereicht werden und die wir von unserem letzten Besuch  besser in Erinnerung hatten, waren nur ein kleiner Tropfen auf der getrübten Freude.

 

Mir gefällt die Preisgestaltung des Restaurants nicht. Es ist keine Frage von teuer oder nicht, sondern eine des Preis-Leistungsverhältnisses. So gibt es ein Menü, aus dem man sich seine Speisefolge zusammenstellen kann. Das macht Sinn, kann man so Frische und gute Produktqualität bei einem sehr kleinen Restaurant mit nur 7 oder 8 Tischen gewährleisten. Allerdings schlagen drei Gänge mit 65 Euro, vier mit 85 und fünf mit 105 Euro zu Buche. Dies wäre für mich auch noch gerechtfertigt, handelte es sich um besonders aufwändige Zubereitungen oder das Preisintensive Dreigestirn aus Hummer, Kaviar und Trüffeln.

 

Was aber als Vorspeisen („Nudeltasche vom Angelsteinbutt und Langhustino mit Sot lý laisse auf Safran-Graupenrisotto mit Schnecken und Schaum von Zitronen-Verbene“ und „Weißer Heilbutt in Lorbeer und Senföl aus Burgund mit Kräutern und Ferkelbauch“) serviert wird, ist aber von der Portionsgröße zu gering, so daß man nur einen kurzen Geschmackseindruck (durchaus gut) hat und sich nicht in das Gericht hineinschmecken kann. Ketzerisch könnte man behaupten, der Wareneinsatz werde so gering gehalten, da auch die Angelsteinbutt- und Krustentierstücke höchstens zu erahnen sind.

 

Die Hauptgerichte („Müritz Ferkel im Goulasch-Sud mit Royal von Safranschalotten, Feigensenf und Erbsen mit wilder Minze“ und „Filet vom Simmenthaler Ochsen an Holunderblüte mit eigenen Bäckchen und Pizza von Birnen und fois gras“) klangen wilder als sie letztlich schmeckten. Geschmacklich konnten sie überzeugen, waren aber in der Komposition nicht so schlüßig wie esbeispielsweise bei Le Moissonnier in Köln gelingt.

 

Susanne Spies reichte bei der glasweisen Weinbegleitung zum Heilbutt einen Sauvignon „Mock“ der Kellerei St. Magdalena in Südtirol (8 Euro) und zur Nudeltasche „Weiße Creation“ von Dautel aus Württemberg (10 Euro). Das Ferkel wurde vom „Tailor“ vom Pfälzer Markus Schneider (16 Euro!!!!) begleitet. Die Weine waren gut passend und harmonierten mit den Speisen, sind aber am oberen preislichen Limit.

 

Zum überzeugenden Dessert („Valrhona-Olivenöl Domino mit Wasabigefrorenem und Cumquats“) trank ich einen Süßwein (8 Euro, Name entfallen). Nachdem ich bisher die Nachfrage, ob nachgeschenkt werden solle, negierte, ließ ich mir einen kleinen Schluck nachschenken. Auf der Rechnung, im Restaurant hatte ich es gar nicht registriert und mich somit auch nicht weiter gewundert, wurde der Süßwein sodann doppelt berechnet.

 

Wahrlich erschreckend erscheint aber der Preis für das Kaffeegedeck mit 6,50 Euro. Es stellt sich die Frage, ob die Petit fours ohne Espresso-Bestellung ausgeblieben wären, denn ansonsten handelte es sich um einen Espresso, der mit Zucker und heißer Milch gereicht wurde.

 

Eine Anmerkung noch zu den Beschreibungen der Gänge: diese habe ich buchstabengtreu der Menükarte entnommen und unkorrigiert übernommen.

5 Gedanken zu „Restaurant „Rosin“ in Dorsten

  1. Claudia Franzen

    Der Eintrag von diesem Feigling ist so was von Emotional, dass man meinen möchte die Dame/Herr hat sich in Herrn Rosin verliebt und bekommt keine Schnitte. € 8,- für einen Spitzenwein im 0,2L Glas, naja, wenn halt die Kohle nicht reicht muß man eben Günstig trinken. Gibt es auch. Ich weiß, was die Weine beim Winzer kosten und kann durch 3,5 rechnen. Vor kurzen ist das Restaurant Rosin gleich 2 mal zum besten Rest. der Region und Rosin/Spies zum besten kulinarischen Duo in NRW gewählt worden. Die haben sich halt alle vertan. Also, günstigere Restaurants das nächste mal suchen oder mehr Kohle einstecken. Claudia Franzen

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  2. Oliver August

    Lieber Schreiber,
    eine Flasche Tailor kostet so 24,50 € bei Sansibar Weinhandel. Ein Glas für 16 € finde ich sehr sehr fair. Und, der Service im Rosin ist das Beste in Westdeutschland, sagen sogar die anderen Restaurants in dieser Kategorie. Das Rosin hat das beste Porzellan, Brotauswahl und das Beste ist das Preis Leistungsverhältnis. Haben Sie schon mal geschaut was ein Kaffee im La vie in Osnabrück oder Vergleichbar kostet. Im Gegensatz zum Rosin müssen Sie noch viel üben. Gruß, Dr. Oliver August

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  3. weinreise

    Sehr geehrte Frau Franzen,

    mein Eintrag ist nicht emotional. Ich neige nicht dazu, Restaurants hochzujubeln, ebensowenig wie ich Restaurants auf dieser meiner kleinen unbedeutenden website „zerreiße“. In Herrn Rosin habe ich mich nicht verliebt, aber finde ihn durchaus sympathisch.

    Die Weinbegleitung wird in 0,1 Litern serviert und nicht als 0,2 Liter. Dann wären die Preise okay gewesen. Ein „Mock“ ist beispielsweise für ca. 9 Euro für den Endverbraucher zu beziehen. Das heißt aus einer 0,75 Literflasche lassen sich ca. 7 Gläser á 8 Eur verkaufen, die Flasche damit zu 56 Eur. Das entspricht einen Faktor von 6!!!

    Die Kochleistung wurde auch mit keinem Wort kritisiert, sondern die Berwertung mit einem Stern und 16 GM-Punkten gutgeheißen. Von Geiz oder Ahnungslosigkeit kann nicht die Rede sein, tendieren wir doch dazu, das ein odere andere Restaurant oder auch Winzer zu besuchen, worüber hier berichtet wird.
    Im Umkreis von Dorsten, ja sogar im Ruhrgebiet (neben der Residence in Essen), gibt es nicht viele Restaurants, die Rosin das Wasser reichen können. Ob man nach knapp einem Montat allerdings von Rosin/Spies als einem „besten kulinarischen Duo“ sprechen muß, weiß ich nicht.

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  4. weinreise

    Sehr geehrter Herr Dr. August,

    der Service bei „Dieter Müller“, im Le Moisonnier, bei „La Grappa“ usw. ist auch nicht zu verachten. Aber das sind durchaus subjektive Empfindungen.

    Frau Henschel (weil es jetzt eben auch in Dorsten ist) hat auch beste Tischwäsche, Porzellan und tolles Silberbesteck und hochwertige Gläser. Eine gute auswahl an selbstgemachtem Brot, auch wenn es bei Rosin wirklich -das hätte ich in meinem Bericht erwähnen sollen- wirklich superb ist, sollte in Restaurants dieser Qualität durchaus Standard sein.

    Um hier nicht unberechtigte Kritik zu üben, habe ich extra verschiedene Restaurant-Rechnungen aus dem *-*** Sterne-Bereich herausgesucht und keines der besuchten Restaurants verlangte einen derartigen Preis für Kaffeegedeck.

    Das La Vie steht hoch oben auch der Liste der Restaurants, die in nächster Zeit besucht werden sollen. Gerne lasse ich meinen Appetit von Ihren Schilderungen anregen oder verderben – Infos sind hier gerne erwünscht.

    Bei Weinpreisen gibt es sicherlich noch andere Übertreibungen wie z.B. das Aqua in Wolfsburg. Ansonsten ist das Restaurant auf jeden Fall eine Reise nach Niedersachsen wert, denn sowohl Essen als auch Service wissen zu überzeugen, ja zu begeistern.

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  5. Rita Henning

    Hallo? Wir sind hier nicht in Berlin, München oder Hamburg.
    Wer zum Teufel zahlt in Dorsten solche Preise?
    Auch wenn Herr Rosin sehr gut kocht, sollte er auf dem Teppich bleiben.
    In Baiersbronn gibt es gleich drei Spitzenköche, ( einer zählt zu den besten der Welt!) die diese Preiskategorie nicht erreichen.
    Ich würde gerne mal bei Rosin essen, sehe aber nicht ein Phantasiepreise zu bezahlen.

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