Restaurant „Pfälzer Stube“ in Herxheim-Hayna

Die petit fours konnten den Gast noch so anlachen, bis auf zwei Kostproben mußte vom Verzehr der wahrlich köstlich aussehenden Teilen aus der Patisserie abgesehen werden. Doch was führte zu diesem Zustand der kulinarischen Kapitulation?

Das Tagesprogramm ließ sich ähnlich dem von US-Präsident George W. Busch und Bundespräsident Horst Köhler an: Besuch in Speyer und Besichtigung des Doms, des Unesco-Weltkulturerbes und anschließendem Lunch in Herxheim-Hayna.

Nun gut, es war nicht das Gourmet-Restaurant „Zur Krone“ des eorge W. Busch und Bundespräsident Horst gleichnamigen Hotels, sondern die etwas einfachere, rustikale „Pfälzer Stube“ und das Menü wurde nicht in zähen diplomatischen Verhandlungen auf den Gast abgestimmt, sondern eigenhändig aus der Speisekarte ausgewählt. Allerdings stammen alle Speisen aus ein und derselben Küche, in der Chefkoch Karl Emil Kuntz nicht am Pass stand, sondern eigenhändig an den Töpfen werkelte.

 

Nach dem wahren Spektakel von „Gruß aus der Küche“ in Vorspeisentellergröße (kleiner Saumagen auf Sahnesauerkraut, je eine  Fisch- und Gemüseterrine, Tomaten- sowie Kräutermousse, Kaninchensülze und Salatbouquet, folgte die eigentliche Vorspeise „Terrine von Ente, Rehfilet und Gänseleber mit einer Crème brûlée von Gänseleber“ (€ 12,90). Es hätte bei dem optisch ansprechenden und aufwändig zubereiteten Gericht vielleicht ein wenig mehr Geschmacksintensität sein können.

Was dann geschah überraschte ein wenig und zuerst wurde ein Irrtum vermutet, legte die sehr freundliche junge Dame im Service doch ein Fischbesteck und einen Soßenlöffel auf. Als sie wenig später den fast vollwertigen Fischgang als weiteren Gruß aus der Küche erläuterte, wich die Irritation Freude, war doch der Genuß von „Soufflè von Wolfsbarsch, gefüllt mit Lachsstückchen, auf Lauch/Graupen-Risotto im einen Schälchen und Jakobsmuschel-Garnelengratin und Safran-Emulsion“ nur allzu köstlich, wenn auch mächtig butterig-sahnig. An keinem der anderen in der recht gut besuchten Pfälzer Stube wurde dieser Zwischengang sonst beobachtet. Hat hier der einzelne Herr, der á la carte bestellte, für eine gewisse Skepsis in der Küche oder im Service gesorgt, zumal ja jetzt wieder die Zeit des Testessens beginnt?!?

Die „Geschmorte Haxe vom Pfälzer Lamm mit Kartoffeln und Lauch und knackigen Frühlingsgemüsen an Rotwein-Schalottensauce“ (€ 20,90) war pfälzisch-reichlich, aber auch köstlich. Das Fleisch war butterweich und fiel nur so vom Knochen, hätte vielleicht ein wenig kräftiger aromatisiert sein dürfen. Vom Angebot, noch etwas Sauce gereicht zu bekommen, wurde dummerweise kein Gebrauch gemacht. So sieht verfeinerte gutbürgerliche Küche aus: bodenständig und zugleich fein.

 

In der Karte wurde gebeten, im Falle des Dessertwunsches „Variation vom grünen pfälzer Apfel“ (€ 8,90) gleich bei der Bestellung von Vorspeise und Dessert hinzuweisen. So kam es, daß den schon gut gesättigten Gast noch ein Dessert-Feuerwerk, das eindeutig der Gourmetküche zuzuordnen war, erwartet. Der Apfel kam in Form eines Süppchens, eines warmen Ofenschlupfers mit Apfelstückchen, einer Praline, eines Parfaits, marinierter Apfelstücke  und eines perfekt schmeckenden Sorbets (wie Omas köstliches Apfelmus früher) auf den Teller.

 

Da konnten die petit fours noch so verführerisch lachen…

 

 

 

 

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