Restaurant „Tasca“ in Wiesbaden

Seit Ende letzten Jahres leuchten drei Sterne über dem „Amador“ und ein Stern über der Wiesbadener Filiale „Tasca“. Im Gault Millau wurde das Hauptrestaurant abgestuft, letzteres gar nicht erwähnt.

 Die Idee hinter dem „Tasca“ scheint das Servieren von Amador-Klassikern zu sein. Viele Gerichte der aktuellen Speisekarte lassen sich auch im durchaus spannenden Amador-Kochbuch nachlesen, was ja auch einen gewissen Reiz hat. So erinnert das ganze an die Ateliers der französischen Meiserköche.

 

Das „Tasca“ ist an diesem Freitagabend nicht voll, eher halbvoll. Das Ambiente wirkt edel, großstädtisch und die Tische haben auf dem dunklen Boden ausreichend Abstand. Nervig auf Dauer ist die Ambient-Beschallung, die sich mit Easy-Listening Coverversionen abwechselt. Der Service durch die weibliche Brigade ist entspannt, angenehm und angemessen. Die Befürchtung, es könnte ein wenig zu trendy oder stylish sein, bewahrheitet sich nicht. Vielmehr scheint in diesem lockeren Ambiente mit durchaus erträglichen Preisen die Hemmschwelle auch für Gourmet-Neulinge nicht allzu riesig zu sein.

Zur Auswahl stehen 2 Menüs, aus denen untereinander getauscht oder einzelne Gänge gewählt werden können, was preislich keinen Unterschied macht. Die Brotauswahl ist prächtig und wird mit dreierlei Aufstrichen gereicht. Statt eines Amuse bouche gibt es die in der Karte annoncierten Tapas & Snacks, die zu gefallen wissen und nur beim sphärischen „Coco Caprese“ einen molekularen Anklang haben.

 

Weiter geht es mit „Kaisergranat mit Sepia, Limone, Olivenöl aus Ronda“ (€ 19,00). Sehr angenehm diese durchgehend schlichte Speisekarten-Prosa, verbirgt sich doch weit mehr dahinter. Bis auf den zu glasigen Kaisergranat ist hier alles sehr stimmig.

 

Ein Höhepunkt des Menüs war der „Kabeljau mit Paprika, Bouillon, Chorizo & Tomatenessig“. (€ 19,00). Sehr gut eingebunden die oftmals zu salzig schmeckende spanische Wurst in Form von kleinen Schnipseln, angenehm würzig die Flüssigkeit und ein leichtes Raucharoma durch die Paprika.

 

Die „Jakobsmuscheln mit Kürbis, Kalbszunge und Kürbis“ (€ 19,00) wirkten danach ein wenig biederer, da eher in eine süßlichere Richtung gehend. Die Kalbszunge schmeckte zwar gut, aber bot in Verbindung mit der Jakobsmuschel keine neuen Aspekte.

 

Gar nicht spannend oder innovativ war der Hauptgang, die „Mieral-Poularde mit Sellerie, Perigord-Trüffel und PX-Essig“ (€ 25,00). Völlig überflüssig war dazu ein Gläschen mit Geschmortem und anscheinend mit Trüffelöl getrüffeltem  Kartoffelpüree. Zuviel davon genommen, konnte es einem den Rest des Ganges verleiden. Bei diesem allerdings kam das Trüffelaroma kaum durch. Die mit Haut gebratene und servierte Poularden-Brust ließ nur von ihrer unzweifelhaft vorhandenen Qualität erahnen. Da (u.a nach dem Olivenöl aus Ronda) zum wiederholten Male ein Element, der PX-Essig, in Geleeform angeboten wurde, wirkte dies so langsam nicht mehr originell.

 

„Schokolade und Zitrusfrüchte in Texturen“ (€ 14,00) waren gut, aber nicht spektakulär wie es der Name vielleicht vermuten ließe.

 

Dafür konnte den Gast bei den „Nuestras Pequenas Locuras“ (den Amador´schen petit fours) das „Croustillant von Meerrettich & Roter Beete“ umso mehr begeistern. Auch die restlichen Elemente waren gut gemacht.

 

Der 2004´er Chardonnay „Augustus“ (€ 39,00) aus dem Anbaugebiet Penèdes konnte in fast allen Belangen mit dem aromenintensiven Speisen mithalten und ergab so manches Mal ein richtiges gutes Bild ab.

 

Als Einstimmung auf das Restaurant „Amador“ oder dem Erstkontakt mit einer weiterentwickelten Küche bietet sich das „Tasca“ auf jeden Fall an. Ob es ein Restaurant für häufigere Besuche ist, sei dahingestellt. Sehr positiv fiel das Bemühen um Akkorde und vorallendingen Texturen (knusprige Elemente) -ganz im Dollase´schen Sinne- auf. 

 

 

 

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