Restaurant „Zur Rose“ in Eppan / Italien

An einem 1. Mai, auch in Südtirol Tag der Arbeit, regnet es am späten Morgen noch ohne Unterbrechung. Was tun? – schließlich haben auch alle relevanten Weingüter geschlossen. Museum? Kultur? Ja, Kultur! Eßkultur! Ab ins Auto, auf nach Eppan und hinein ins Restaurant „Zur Rose“. Ein Tisch war ohne Reservierung glücklicherweise noch zu haben, ist doch das Restaurant zur Mittagszeit an diesem Feiertag sehr gut besucht.

Der junge Service agiert ein wenig hektisch, aber freundlich und hilfsbereit. Wenn Herbert Hintner aus seiner Küche kommt, wirkt er entspannt und zufrieden, seine Frau Margot, Restaurantleiterin und Sommerliere, steht ein wenig mehr unter Spannung, ist aber letztlich eine souveräne Gastgeberin.

 

Die Konzentration gilt dem Essen, obwohl auch die Weinkarte ein Volltreffer für Freunde des südtiroler Weins ist und viele „Raritäten“ auflistet. Gerade ist aus der übersichtlich gehaltenen Speisekarte gewählt und das äußerst gute hausgebackene Brot auf dem Tisch, kommt der Gruß aus der Küche: ein Kartoffelraviolo gefüllt mit Radicchio und ein Salat aus dünnen, gebackenen Kartoffelscheiben mit mariniertem Radicchio. Das schmeckt sehr gut, ist an Spannung durchaus zu überbieten.

 

Die Vorspeise Kloaznravioli mit Graukäse und Nußbutter“ (13,00 Euro) ist optisch perfekt und recht unscheinbar, geschmacklich aber vielschichtig und auf eine herzhafte Art „schlotzig“. Der Ravioliteig ist aus Kloazn-Mehl, einem Mehl aus getrockneten Birnen hergestellt und der Graukäse ein typischer, sehr magerer, aber geschmacksintensiver regionaler Käse. Insgesamt ergibt sich ein Eindruck einer verfeinerten südtiroler Küche.

 

Das Fleischgericht „Rindslende mit mediterraner Pfefferkruste mit weißen Bohnen und Radicchio im Tempurateig“ (24,00 Euro) überzeugt durch die gute Fleischqualität, die auch von der offensichtlichen Geduld beim Abhängen profitiert. Die Bohnen sind auf dem dreigeteilten Teller einmal als warmer Bohnensalat und als fein passiertes Bohnenpüree auf dem Teller und sorgen für eine süßliche geschmackliche Breite. Mit dem in Tempurateig kroß ausgebackenen Radicchio wird das Gericht texturell und um die Geschmackrichtung bitter erweitert. So werden die Geschmacksnerven ein wenig irritiert und wieder frei für das mit Kruste eher klassisch zubereitete Fleisch.

 

Auch die Patisserie gibt keinerlei Anlaß zur Klage, sind doch die „Grießknödel auf karamellisierten Apfelscheiben und Honigeis“ (12,00 Euro) tadellos und erinnern nur noch durch ihren Namen an die Deftigkeit,die diesem Gericht und der alpenländischen Küche im allgemeinen bisweilen unterstellt wird. Das ganze ist optisch perfekt arrangiert und der Geschmack zwischen den Knödeln und den süßen und säuerlichen Elementen perfekt ausbalanciert.

 

Bella figura machte auch der Gewürztraminer „Terminum“ passito 2004 der Kellerei Tramin (0,1l Glas 15,00 Euro)zum Dessert. Zur Vorspeise hatte zuvor der 2006´er Riesling von Castel Juval (4,00 Euro) eine beachtliche Vielschichtigkeit entwickelt. Der Lagrein „Taber“ 2005 der Kellerei Bozen (6,50 Euro) erschien nicht ganz so gelungen wie vorherige Jahrgänge.

 

Festzuhalten bleibt, daß die Abstufung von 16 auf 15 Punkte mit begleitender negativer Kritik im Gault Millau zu unrecht erfolgt ist. Der Gast hatte einen positiveren Eindruck als bei seinem Besuch vor zwei Jahren. Sogar Jürgen Dollase (FAZ 06.10.2007) war sehr angetan.

Ein Tipp für alle Hobbyköche ist sicherlich auch das Kochbuch „Meine Südtiroler Küche“ von Herbert Hintner. Geboten werden nachkochbare Rezepte und ein guter Überblick über eine verfeinerte, regionale Küche Südtirols.

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