Restaurant „Landgasthof Poststuben“ in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Warum in die Ferne schweifen, wenn das gute in Form des Ahrtals nahezu vor der Haustür liegt. Für Düsseldorfer und auch viele andere Rheinländer liegt das Weinanbaugebiet mit seinen teilweise großartigen Rotweinen, den spektakulären Steilhängen und manch schönem Ort knapp eine Autostunde entfernt.

 

Ein schöner Ausgangspunkt für Wanderungen auf dem Rotweinwanderweg ist Dernau. Durch die Ahrtalbahn, die quasi in jedem Ort im Ahrtal einen Haltepunkt besitzt, hat man auch die Möglichkeit, den Rückweg  in kurzer Zeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen. Natürlich ist Dernau auch Heimat eines der bekanntesten Weingüter der Ahr, nämlich des Weinguts Meyer-Näkel. Zu diesem gehört auch der durchaus empfehlenswerte „Hofgarten“, die Gutsschenke Meyer-Näkels.

 

Ziel an diesem frühen Sonntagabend war allerdings der Landgasthof „Poststuben“ von Hans Stefan Steinheuer, das rustikale Pendant zum mit 2** Sternen ausgezeichneten „Steinheuers Restaurant“ in Bad Neuenahr-Ahrweiler im Ortsteil Heppingen.

In den gemütlich-urigen, aber nicht kitschig überladenen Poststuben gibt es zwei Menüs und eine kleine Karte mit á la carte-Gerichten. Natürlich steht eine attraktive Weinkarte mit den Weinen der Region und vielen anderen zur Verfügung, auf der der eine oder andere günstig kalkulierte Wein zu finden ist.

 

Der südafrikanische Sauvignon blanc „Us de Kap“ (0,2 Liter 6,80 Euro) von Werner Näkel ist ein interessanter Vertreter seiner Art und bietet ein rauchiges Aroma und starke Anklänge von Stachelbeeren und paßt vergnüglich zur Vorspeise „Kalbsvariation“ (13,00 Euro). Das Kalb wird in drei Elementen präsentiert: als eine gegarte, gefüllte und gerollte Scheibe, als kleine, leicht säuerliche Sülze und als ausgebackene Kugel, die mit Ragout vom Kalb gefüllt ist. Nur das erste Element weiß nicht so recht zu überzeugen, die beiden anderen entwickeln zusammen mit dem gemischten Salat mit Kräutern und Blüten, der nur leicht mit einer Vinaigrette bestäubt ist, sehr gute Geschmackserlebnisse.

 

Die anschließenden „Rehmedallions mit Nußkruste, hausgemachten Spätzle und Kohlrabigemüse“ (25,00 Euro) zeigen eindrucksvoll, wie grandios eine gutgemachte und verfeinerte regional-gutbürgerliche Küche sein kann, wenn präzise gekocht, angemessen verschlankt und apart angerichtet wird. Der Spätburgunder vom Weingut Jean Stodden (0,2 Liter 4,80 Euro) ist wie viele Weine dieses tollen Weinguts nicht so ahrweintypisch  leicht-fruchtig, sondern eher rauchig, etwas schwerer und im Geschmack dunkler.

 

Auch ein verhältnismäßig unspektakulärer Nachtisch wie „Grießflan mit Rhabarber und Vanilleeis“ (8,50 Euro) kann optimiert werden und somit eine deutliche Qualitäts- und Genußsteigerung erfahren. Zum einen ist der Flan mit seiner leicht karamellisierten Kruste luftig-leicht, zum anderen ergänzen sich das süße Eis und die  spaghettidünnen Rhabarberstreifen mit ihrer Säure ganz hervorragend.

Der Besuch in den sogenannten Zweitrestaurants von Spitzenköchen bietet, sofern die Speisen aus ein und derselben Küche kommen einen guten Einblick und eine Entscheidungshilfe, ob man denn auch den Gourmetteil dieses Kochs kennenlernen möchte. Im Falle von Hans Stefan Steinheuer kann dies nur bejaht werden.

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