Restaurant „Hannappel“ in Essen

Eine kulinarische Expedition ins Ruhrgebiet führte direkt in das Restaurant „Hannappel“ nach Essen-Horst. Die frühere ruhrgebietstypische Eckkneipe hatte Knut Hannappel von seinen Eltern übernommen und nach und nach zu einer beachtlichen Adresse im Ruhrgebiet gekocht. Just in diesen Wochen wird umgebaut und somit werden wahrscheinlich auch die letzten Reminiszenzen an die Kneipenzeit beseitigt und hoffentlich nicht nur ein separater Raucherraum eingerichtet.

 

Bisher war es im Restaurant auf jeden Fall gemütlich, leger und unkompliziert. Das Restaurant ist im Gault Millau mit 16 Punkten bewertet und könnte über seinen bib gourmand hinausgehend auch einen Stern tragen. Dazu müßten sich vielleicht nur wenige Kleinigkeiten ändern.

Los ging es mit einem Dreierlei als Gruß aus der Küche, der zeitgleich mit dem Brot (nur eine Sorte, scheinbar nicht hausgemacht) eintraf. Großer Geschmack bei der Terrine von Tomate und Aubergine und der kleinen Sülze vom Tafelspitz mit Meerrettichschaum. Der fruchtig-frisch marinierte Fenchelsalat bereitet die Geschmacksknospen für das kommende.

 

Das „Ragout fin von Kalbsbries und Pfifferlingen“ (13,50 Euro) war geschmacklich hervorragend. Etwas knapp bemessen war der Anteil der melierten und gebratenen Kalbsbriesröschen, so daß nicht genug vorhanden war, um bis zum Ende alle anderen Komponenten damit zu kombinieren. Der Begriff „Ragout fin“ war ein wenig irreführend, aber durchaus im Bereich der künstlerischen Freiheit.

 

Dafür waren beim „Filet vom Steinbutt auf Spargel-Jakobsmuschel-Ragout“ (22,00 Euro) die Jakobsmuscheln umso zahlreicher vertreten. Gute Fischqualität und -garung, knackige Spitzen vom weißen Spargel und die angesprochenen Muscheln sorgten für ein rundum stimmiges Bild. Optimiert werden könnte das Gericht, wenn die Sauce ein wenig aufgeschäumter wäre, da dies zu einem der Optik diente und zum anderen etwas mehr Leichtigkeit auf den Teller brächte.

 

Von der in Inhalt und Präsentation nicht ganz optimalen Weinkarte, die allerdings –man schaue als Kontrast nur ins benachbarte Düsseldorf- ziemlich fair kalkuliert ist, fiel die Wahl auf ein 2005´er „Forster Ungeheuer“ Rieslings Spätlese trocken der Weingüter Wegeler (27,00 Euro). Der Wein gefiel als Begleiter zum Essen, obwohl im Gegensatz zur Mosel und zum Rheingau die pfälzer Dependance eher schwache Kritiken erntet.

 

Zum Dessert überzeugte das „Warme Schokoküchlein mit Joghurtespuma und Passionsfruchtsorbet“ (8,50 Euro) vollends. Geschmack, Frucht, Süße und Säure – hier paßte alles.

 

„Alte Zeit“, einem fünf Jahre gereifter Edelbrand aus Zibärtle von Scheibel (5,50 Euro) konnte allein schon wegen des vernünftigen Preises zum Abschluß nicht widerstanden werden.

 

Mit einer leichten Optimierung bei den Proportionen und der Präsentation der Speisen und einer Überarbeitung und Aufstockung der Weinkarte und möglicherweiser der Einstellung  eines Sommeliers sollte doch vielleicht irgendwann einmal ein Stern über Knut Hannappels Eckkneipe leuchten.

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