Restaurant „Schorn“ in Düsseldorf

Satt, satter, Schorn – oder wie man direkt am Jahresanfang alle guten Vorsätze wieder über Bord werfen kann. Ein bacchantischer Restaurantbesuch, der nichts für Kostverächter oder Fleischverächter ist, bot sich im Restaurant Schorn. Zugegebenermaßen war das Restaurant nicht das erste auf der Liste für 2009, aber an allererster Stelle in der Lage, bei Anruf spontan einen Tisch frei zu haben.

So schlecht kann es trotz aller Schwarzseher noch nicht sein oder der Trend hat sich allgemein Richtung gepflegten Restaurantbesuch verschoben, denn -wie erwartet- war Le Moissonnier ausgebucht, Zur Post in Odenthal auch; Fehrenbach in Düsseldorf und sogar das -wenn auch winzige- Dim Sum Bistro reihte sich ebenso wie der Spanier Casa Pedro in Solingen in die stark nachgefragten Restaurants ein.

Nun denn Schorn, ein Restaurant, im Guide Michelin erwähnt und mit 1,5 Feinschmecker-Fs ausgezeichnet, das aber ansonsten besonders durch die Empfehlung des Wineterminators auf seiner wahnsinnig interessanten website im Hinterkopf schwelte.

Zu den direkt bei Eintreten auffallenden Dingen gehörten die Freundlichkeit der beiden jungen Damen im Service und das Ambiente. Mancher mag es altbacken nennen, das eigene Empfinden des kleinen Restaurants mit Stuck unter der Decke, holzigen Wänden, plüschigen, pastellfarbenen Stühlen und Sitzecken und vielen dekorativ herumstehenden, erstklassigen Bouiteillen wurde als sehr angenehm empfunden. Wer braucht aufgestylte und durchdesignte Restaurants (besser locations), deren Hippness sich eigentlich nur in den Gästen und Preisen und nicht in qualitativ hochwertigem Essen widerspiegelt? Okay, ketzerisch könnte man behaupten, einige Leute in Düsselorf gewiß…

Zur Auswahl stehen drei Menüs, ein Tagesmenü (4 Gänge inkl. je 0,1l Wein 46 Euro) , Das Menü (4 Gänge 53 Euro, 5 Gänge 58 euro und 6 Gänge 63 Euro) und ein sechsgängiges Menü du Chef (76 Euro), wobei aus letzteren beiden auch á la carte gewählt werden kann. Dies kann aufgrund der Preisgestaltung weniger, aus später ersichtlichen Gründen aber durchaus sinnvoll sein.

Die Weinkarte ist hervorragend und bietet für jeden Geschmack und Geldbeutel den passenden Tropfen. Schwerpunktmäßig gibt es deutsche Weißweine und Rotweine aus der ganzen Welt, die meisten aus Deutschland und Frankreich. Faszinierend ist das Angebot an gereiften Weinen, was in diesem Fall ein Zeichen für Qualität der Karte ist und nicht für einen schlechten Umschlag. Um sich mit der Auswahl nicht zu belasten, wurde diese einfach in die Hände des Service gelegt, der mit einer, in diesem Fall jungen Flasche, 2007 Riesling Spätlese trocken vom Weingut Hexamer von der Nahe (28,00 Euro) zu gefallen wußte. Der Wein paßte hervorragend zu den Vorspeisen und hatte eine schöne Frucht und eine für den Jahrgang angenehm eingebundene, animierende Säure.

Schon beim Gruß aus der Küche hätte klar sein müssen, daß keine Kleinigkeiten serviert werden. Ausdrucksstark war die Gänseleberterrine auf Apfel-Sellerie-Salat und kräftig der Zucchinischaum. Wer hier nachsalzen muß, hat schon alles Geschmacksnerven verloren.

Es folgten vier (!) Tortellini, die mit Maronen gefüllt und von einer Gänselebersauce bedeckt waren. Darauf feinste Scheiben von knusprigem Pancetta. Das füllte den Mund und verströhmte einfach ein Wohlgefühl. Kein Zusammenstellen von Akkorden auf der Gabel, sondern ein hingebungsvolles Hineinpieksen und Genießen waren die Folge.

Die Sellerieschaumsuppe mit Trüffeln stand dem in fast nichts nach. Reichlich vom schwarzen Périgord-Trüffel war über die cremige (tolle Konsitenz – Sahne und Butter lassen grüßen) Suppe gerieben und nur ein ganz wenig schmeckte hervor, daß ein, zwei Tropfen Trüffelöl dem Geschmack ein wenig unterstützten. Aber das benutzen, ob man´s gut findet oder nicht, auch Dreisterneköche.

Wer jetzt noch nicht ein erstes Sättigungsgefühl verspürte, sollte beim Anblick des, im wahrsten Sinne des Wortes, Hauptgangs schlucken müssen. Serviert wurde ein Stück US-Rinderrücken, das geschätzte 250-300g aufwies und Franz-Josef Schorns Interpretation des Düsseldorfer Klassikers Senfrostbraten darstellte. Beste Fleischqualität, feinste Schalottenstückchen darauf und eine Senfsauce zum Darinbaden, ließen den Gast sich einem Gourmand beinahe näher als einem Gourmet fühlen. Die Beilagen in Form von gebratenen Drilligen, einem Kartoffelmangoldpürree und Zuckerschoten ließen keinen Wunsch offen. Dazu noch ein Glas Rotwein aus dem Madiran (12 Euro).

Doch, eigentlich den, daß ein Dessert doch nicht mehr zwangsläufig sein müßte. Dieser hätte ohne weiteres wohl auch durch einen Kaffee oder Espresso ersetzt werden können, den Weg in den Magen fanden aber ein Schokomousse und -kuchenstück mit einer karamelligen Sabayon. Dies war zwar nicht der krönende Abschluß eine köstlichen Essens, dies mag aber auch dem mittlerweile erreichten Erschöpfungsgrad gezollt sein.

Der Besuch war eine positve Überraschung. Bedenken sollte man nur, -bei allem Stilbewußtsein- eine Hose mit Gummizug zu tragen und nicht ständig das Kalorienzählen vor Augen zu haben. Spannend sind wahrscheinlich auch die Weinverkostungen und Raritätenproben, von denen Fotos in Flur und WC-Räumen zeugen, aber die ist ein anderes Thema.

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