Ursula Heinzelmann: „Erlebnis Käse und Wein“

In einer Restaurantkritik, ich glaube es war am 22.03.2009, in der FAS bekam der Ruhmesglanz von Jürgen Dollase für mich ein paar Kratzer. Auslöser war eine Behauptung, die nach der Degustation regionaler Käse beim Restaurantbesuch erfolgte: Es gebe dabei keine neuen Erkenntnisse, außer der, daß es der deutsche Käse nicht mit dem französischen aufnehmen könne.

Mit dieser kulinarischen Arroganz steht Jürgen Dollase nicht alleine da, fallen mir doch glatt der Frankreich-Experte Ulrich Wickert oder grundsätzlich Wolfram Siebeck ein. Es ist wie beim Fußball, der in Italien, Spanien und England ja angeblich auch um Längen besser gespielt wird. Aber soll ich aus diesem Grund ein Spiel wie Wolfsburg vs. Bayern gegen Portsmouth vg. Bolton Wanderers tauschen?

Mir gefällt die Idee, Käse regional einkaufen zu können oder die Unterschiede von Gegenden aus Nord- und Süddeutschland, die man kennt, erschmecken zu können. Ähnlich muß es Ursula Heinzelmann vor und während ihrer Entdeckungsreise durch die Käselandschaften Deutschlands ergangen sein.

"Eine Entdeckungsreise durch neue deutsche Genusslandschaften" – so der Untertitel des Buches (Scherz Verlag, 18,95 Euro), das in einer angenehmen Sprache von den Besuchen bei deutschen Käsereien berichtet . Der Leser erfährt Allgemeines und Spezifisches über die Käseproduktion, es werden Aspekte der Tierzucht- und haltung, der Hygiene und der Verwendung von Rohmilch gegenüber der von pasteurisierter Milch beleuchtet. Nicht von obern herab, sondern in einem interessiertem und begeisternden, aber nicht unkritischen Ton berichtet die Journalistin (u.a. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) und Buchautorin ("Erlebnis Essen", "Erlebnis Kochen") von ihrern Erfahrungen.

Ergänzt wird das ganze durch Rezepte und Käse-Wein-Sessions mit Winzern, denn Wein und Käse stellen für die Autorin eine perfekte Symbiose dar. Es ist endlich mal an der Zeit, mit der Fehleinschätzung, daß Rotwein und ausschließlich Rotwein gut zu Käse paßt, aufzuräumen. Ebenso wie dem Käse haben vor 20 Jahren auch der jetzt boomenden und grandiosen Weinszene Deutschlands die wenigsten große Chancen eingeräumt.

Zwei kritische Anmerkungen will ich mir dennoch erlauben. Aus lokalpatriotischer Sicht fehlen natürlich zwei von mir für gut befundene Adressen: die Windrather Biohöfe und die Witzheldener Bauernkäserei, was dem Lesengenuß aber keinen Abbruch tut. Ferner stört das wiederholte Verwenden der sog. "Rheinischen Verlaufsform" ("…sie war am Melken…"), die ein jeder Lektor hätte eigentlich rigoros korrigieren müssen.

Unter dem Motto Think global, act local könnte ich mir derartige Genußreisen neben Wein auch in Sachen Bier, Spargel oder Wurstwaren (wie z.B. Blutwurst) vorstellen.

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