Kulinarischer Ort des Jahres 2013 – Pinkus Müller in Münster

Mit Münster in Westfalen verbinde ich seit meinen Jugendtagen eigentlich nur die hitzigen Duelle der SpVgg. Erkenschwick 1916 e.V. gegen den lokalen Verein. Der Westfälische Frieden wurde dabei nie besiegelt. Lieber hätte man sich von St. Lamberti und den historischen Grausamkeiten inspirieren lassen.

Das Jovel, in dem ich einige legendäre Konzerte gesehen hatte, ist auch geschlossen worden und an anderer Stelle wiedereröffnet worden. Von den in Münster spielenden und bekannten Ulk-Krimiserien, dem Tatort und Wilsberg, soll hier nicht die Rede sein. Auch von  den aus der Stadt stammenden berühmten oder berüchtigten Menschen nicht.

Erst in den letzten Jahren sind mir die kulinarischen Vorzüge Münsters bewußt geworden. Freitags ein kleiner, regionaler Bio-Markt auf dem Domplatz und samstags dann das große Geschütz, ein wahrlich schöner Wochenmarkt.

Gab es einst in der Stadt 150 Altbierbrauereien ist nur Pinkus Müller, 1816 gegründet, übriggeblieben. Und wie es sich für eine Brauerei gehört, gibt es am Stammsitz einen Brauereiausschank und Gaststätte.

Mit der durch die zweiköpfige Jury, freilich objektiv und unbestechlich ermittelt, Auszeichnung als „Kulinarischer Ort des Jahres 2013“ schließt sich für mich auch ein Kreis. Schon als Kind fuhr ich besonders gerne zu Oma nach Datteln, denn dort gab es neben Erwachsenenbier auch immer einen Kasten Malzbier. Und das Kinderbier stammte schon damals aus Münster von Pinkus Müller.

Zwischendurch vergaß ich Pinkus ein wenig, bis ich in Bioläden und -supermärkten wieder auf die Biere stieß. Denn Pinkus Müller braut seit Jahren mit kontrolliert biologischen Rohstoffen und gehört hierbei zu einer der ersten Brauereien Deutschlands. Das leicht (milch)säuerliche und daher gut bekömmliche  helle Altbier ist bei weitem auch nicht mehr die einzige und beliebteste Sorte, die gebraut wird. Fast ein wenig zu groß, wenn auch fast durchweg mit Hand und Fuß, wirkt das Sortiment. Neben dem Altbier stechen besonders das ungefilterte Pils, Pinkus Spezial, und das Extra, ein seit 2012 gebrautes Pils mit hohem Hopfenanteil, heraus.

Natürlich lockte damit auch wieder die Fahrt nach Münster, um Pinkus-Biere und die „Spezialitäten aus der Altbierküche“ im urigen, fast originalgetreuem Ambiente mit seinen mit Holzschnitzereien verzierten Tischen zu probieren. Als sich dann auch der Gastro-Gott Jürgen Dollase erbarmte, das Lokal in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung 2008 positiv zu besprechen und es 2013 gar in seiner Rubrik „Das besondere Restaurant“ in den gutbürgerlichen Himmel lobte, gab es kein Halten mehr, aus der Altbierstadt Düsseldorf in die Altbierstadt Münster zu reisen.Im Gegensatz zur eher schwachen Altbierküche in den Brauhäusern der Landeshauptstadt wird sich in Münster dem Essen mit deutlich mehr Anspruch gewidmet. Dazu gehört, daß auch hier mittlerweile größtenteils mit biologisch erzeugten Lebensmitteln gekocht wird. Der gutbürgerliche Charakter der Speisen wird nicht verhehlt , aber auch nicht durch Überwürzung, Geschmacksverstärker und Frittierfett verhöhnt. So bekommt man hier Töttchen, westfälischen Pfefferpotthast mit Roter Beete und natürlich Westfälischen Topf. Diesen gibt es mit Surmoos (Sauerkraut), graute Bohnen (dicke Bohnen) und, jahreszeitenabhängig, Grünkohl. Dazu hervorragendes Kasseler, beste Brat- und Mettwurst und gebratener Speck und ordentliche Bratkartoffeln.

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