Le Plat du Jour, Hamburg

Zuweilen sind unsere Anforderungen an ein Restaurant auch recht profan. In diesem Fall sollte das Restaurant fußläufig vom Hotel erreichbar sein, an einem Sonntagabend geöffnet haben und vernünftiges Essen zu zivilen Preisen anbieten…ach ja, und irgendwie sollte es mit Baby im Schlepptau auch noch gut klappen.

Hamburg 1

Nach kurzer Recherche und heutzutage obligatorischem Check im Web reservieren wir kurzentschlossen im Le Plat du Jour. Seit mehr als zwanzig Jahren hat die französische Brasserie täglich durchgehend von 12.00 bis 22.30 Uhr geöffnet und liegt zentral hinterm Hamburger Rathaus.

Daß bei aller Popularität und dem Dauerbetrieb die Maschine gut geölt läuft, merken wir schon beim Betreten der vollen und lebhaften, ja lauten Brasserie. Man sitzt beengt und es wuselt eine Menge förmlich gekleideten Personals umher. Schwarzweiß-Fotos an den Wänden und rot-weiß karierten Stoffservietten auf den Tischen – so sieht eine Brasserie aus, wie nicht nur Lieschen Müller, sondern auch wir sie uns mangels Frankreich-Expertise vorstellen. Auch die laminierten Speisekarten schrecken uns nicht ab, denn das Angebot ist durchaus übersichtlich und verheißt herzhafte Gerichte, aus denen der Gast sich ein dreigängiges Prix Fixe-Menu (€ 33,00) zusammenstellen oder auch á la carte ordern kann, und auf der Rückseite findet sich eine angenehme Weinauswahl.

Lyoner Saucisson auf Linsen mit VinaigretteSchon die Vorspeise Lyoner Saucisson auf Linsen mit Vinaigrette signalisiert: Hier wird man satt! Das französische Pendant zur deutschen Jagdwurst ist gut gewürzt, aber nicht überwürzt und versteht sich ganz ausgezeichnet mit den lauwarmen Linsen und der intensiven, dickflüssigen Vinaigrette mit pikanten Senfnoten.

Duo von hausgemachter PasteteDas Duo von hausgemachter Pastete wird von ausgewogen süß-sauer abgeschmeckten Zwiebeln begleitet. Das kleinere Stück Pastete stammt von der Ente und hat einen kleinen Foie gras-Kern, das andere Stück ist etwas gröber aus Schweinefleisch zubereitet. Beide überzeugen durch auffällige Transparenz beim Fleischgeschmack, der nicht durch Würzung kaschiert wird.

Kalbsnieren mit grobkörniger SenfsauceBei den Kalbsnieren mit grobkörniger Senfsauce ist die Innerei à point gegart und weist noch einen kleinen roten Kern auf. In der Küche wurden sehr sauber das Fett und jeglicher Fitzel Harnstrang entfernt, was für den Genuß unabdingbar ist. Die mächtig aussehende Sauce fällt weniger heftig aus als es zuerst den Anschein macht und wird vom Geschmack und den Essignoten des Senfs getragen. Die Beilagen sind zwar nicht aufregend, aber ordentlich zubereitet.

Ententournedos mit WeintraubensauceEtwas zwiespältig fällt dann der Eindruck bei den Ententournedos mit Weintraubensauce aus: Kulinarisch wenig sinnvoll wurde die gebratene Entenhaut mit der Sauce übergossen, zum anderen begrüßen wir zwar ausdrücklich, daß das Fleisch keinem Zartheitskult zum Opfer gefallen ist und somit mehr Eigengeschmack hat (teilsweise haben sich gar Schmornoten entwickelt), aber an einigen Stellen geht es etwas zäh zu. Ausnahmslos gut gefällt der sehr natürliche, beinahe brut belassene Spitzkohl.

Crêpe "normande" mit CalvadosBei der Crêpe „normande“ mit Calvados ist die Kugel Vanilleeis ein -allerdings nicht berechneter- Sonderwunsch und sollte durchaus immer dabei sein. Das reichlich mit Calvados beschwippste Dessert erspart eindeutig den Digestif und ist, mit einem guten Verhältnis von Apfel, Teig und Zuckerkarammeligkeit zubereitet, schlicht und ergreifend gut.

Profiteroles mit SchokoladensauceWer nach seinem Hauptgericht nicht satt ist, sollte als süßen Abschluß unbedingt die mit Vanilleeis gefüllten, hausgemachten Profiteroles mit Schokoladensauce ordern. Der Teig hat seine Knusprigkeit trotz des Anschlags durch Übergießen größtenteils gerade noch unbeschadet überstanden. Es ergibt sich einfach ein süffiges Gesamtbild – zum Wohlfühlen schwerstens geeignet.

Ordentliche Weine und eine Küche wie im Le Plat du Jour, in der seriös gearbeitet wird – mehr wünscht man sich als Gast mit Appetit, der bei diesen Portionsgrößen auch ruhig Richtung Hunger tendieren darf, nicht. Der Begriff Brasserie leitet sich von Brauerei ab – nur leider findet man in Deutschland in diesen Etablissements, und nicht nur dort, gut zubereitete deutsche Hausmannskost  viel zu selten.

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