Der den Boden streichelt

DSC_8446Wenn der hier oft zitierte Jürgen Dollase in seiner letztjährig erschienen Kampfschrift für besseren Genuß, „Himmel und Erde – In der Küche eines Restaurantskritikers“, mehrmals den Lenßenhof in Mönchengladbach-Odenkirchen als seine regionale Gemüsebezugsquelle preist; wenn Niederrhein-Blogger Joerg Utecht seit numehr eineinhalb Jahren die vom Bioland-Hof stammenden Feldfrüchte als „Gemüse des Monats“ vorstellt, muß da Qualität vorhanden sein und ich nehme gerne zusammen mit anderen Bloggern eine Einladung zur Feldführung mit Landwirt Joachim Kamphausen wahr.

DSC_8468In vierter Generation bewirtschaftet der Landwirtschaftsmeister seit 23 Jahren  den Hof, der aus 25,50 ha Ackerfläche und weiterem Grünland besteht, nach den strengen Bioland-Richtlinien. Zuvor gab es 100 Mastbullen und auf dem Hof wurde zur Futtergewinnung nach der Rheinischen Fruchtfolge gearbeitet. Jetzt zähle ich auf tierischer Seite nur noch sieben Schafe und zwei Pferde – die Kinder freuen sich und ein Teil der Grünfläche wird so natürlich gemäht. Aber auch nicht domestizierte Tiere haben es gut: über alle Anforderungen an einen ökologisch bewirtschafteten Bauernhof hinaus betreibt der Lenßenhof, letztlich auf Kosten der Rendite, aktiv Naturschutz. Vögel, Igel und Insekten finden so genügend Flächen und Hecken zum Krabbeln, Knabbern und Nisten.

DSC_8465Nein, das ist keine Versuchsfläche, auf der Rasen für die Wellblechhütte das Stadion der Nummer Zwei am Rhein angebaut wird und auch keine fehlgeschlagene Bildbearbeitung – links steht Weizen, rechts Roggen. Daraus wird nicht nur Viehfutter, auch ein lokaler Bäcker stellt aus dem Getreide Brot her – zum Erwerb natürlich im Hofladen vorrätig.

DSC_8454Wenn ich mal groß bin, werde ich Knoblauch! – Und vorher ist das Lauchgewächs Bauers momentaner Liebling. Zuvor in Handarbeit eingesetzt, wird er aktuell als Bundknoblauch geerntet und ist neben Bärlauch zur Zeit das einzige frische Gemüse aus eigenem Anbau. Aber keine Sorge: neben sieben Kartoffelsorten kommen bis zum Herbst 50 verschiedene Gemüsesorten, dazu. Da Kamphausen nicht mit Gewächshäusern oder Folientunneln arbeitet, ist er mit seinem Freilandgemüse spät dran. Bisher war es einfach zu feucht und durch die hier vorherrschende Gley-Schicht im Boden fließt das Wasser sehr langsam ab. Für Geologen vielleicht noch interessant: darunter liegt eine Eisenkiesel-Schicht.

DSC_8475Überhaupt der Boden: Hört man dem wettergegerbten Landwirt zu, wird schnell klar, wie wichtig der Boden und essentiell das Wissen über seine Beschaffenheit für den Ernteerfolg sind. Hier befinden sich unter der Ackerkrumme im Boden die für das Pflanzenwachstum wichtigen Nährstoffe – Inhaltsstoffe, die vom Zusammenspiel aus Feuchtigkeit, Wärme und Luftzirkulation gelöst werden.

DSC_8495Der überzeugte Bio-Bauer referiert hochinteressant über fünfjährige Fruchtfolgen, die Stickstoffversorgung des Bodens mittels Einsäen von Gründüngung (Leguminosen) und das Aufbringen von Stallmist und das Stehenlassen der Beikräuter (für Kleingärtner: Unkraut) zur Düngung. Penibel ist Kamphausen beim Stallmist aus einer – nach den Bioland-Richtlinien vorgeschriebenen – Futter-Mist-Kooperation mit einem Viehwirt, um jegliche Kontamination des Gemüses zu vermeiden. Und was die Behandlung des Bodens mit Kali-Phosphor-Dünger, Kalk oder Kupfer angeht, so denkt man hier bei der Häufigkeit in Dekaden oder läßt es gleich bleiben. Vorbildlich.

DSC_8486Die Erfahrung macht viel aus: Wann muß der Traktor den Acker umpflügen, wann will die Ackerkrumme nur sanft gestriegelt (der Striegel ist eines der wichtigen Instrumente in der ökologischen Landwirtschaft gegen Unkraut) werden und wann legt man aus Furcht vor Nässe Dämme zum Pflanzen an – beeindruckend, wieviel hier noch in Handarbeit (auf dem Foto werden Zwiebeln gesetzt) erledigt wird. So stehen bei Kamphausen 16 Leute in Lohn und Brot; der Lenßenhof ist mit Hofladen, Gemüsemobil und Ständen auf lokalen Wochenmärkten im Prinzip ein reiner Selbstvermarkter.

Zwar könnte ich noch stundenlang den immer komplexeren Ausführungen des überzeugten, aber nicht fanatischen Bio-Bauers über sein Saatgut der Bingenheimer Saatgut und  seine Stecklinge von Jungpflanzen Wunderlich sowie die Vorteile von samenfesten Sorten und  die negativen Aspekte von CMS-Sorten und F1-Kreuzungen lauschen, aber auf den für den Niederrhein hochgelegenen Feldern weht ein eisiger Wind.  Und zur Freude des fröstelnden Stadtkinds in mir lassen wir den informativen Nachmittag lieber  bei einem Glas Riesling auf dem geschützten Hof ausklingen. Anschließebd schlage ich noch im Hofladen zu…

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