Pure White Food Club, Köln

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This magic moment, so different and so new – Dieses Mal wollte ich früh dran sein. Hingehen, ausprobieren. Mir nicht nur einen Besuch immer wieder vornehmen. Knapp ein Jahr nach seiner Eröffnung habe ich das Pure White noch immer nicht besucht, Trotz begeisterter Berichte. Jetzt war ich da und doch wieder nicht ganz: Unlängst eröffnete Christiano Rienzner (ehemals Commis im elBulli und Küchenchef im Berliner Maremoto)  mit dem Pure White Food Club in Köln ein zweites Restaurant in unmittelbarer Nähe des Stammhauses.

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Optisch ist der Pure White Food Club mehr Restaurant als der an einen zweckentfremdeten Imbiß erinnernde Erstgeborene. Die hochwertige Einrichtung mit auffälligen Marmortischen begeistert mich auf den ersten Blick nicht – aber das ist gewiß Geschmackssache. Interessanter erscheint aber der Blick in die Speisekarte, die hier einen leicht italienischen Einschlag hat.

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Gemein ist beiden Restaurants das Konzept aus Produktphilosophie und Zubereitung. Das reine, perfekte Produkt soll im Mittelpunkt stehen: Topware aus aller Welt bei Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten sowie Gemüse – also eine unverfälschte Produktküche. Zubereitet wird ein Großteil der Speisen auf einem Josper Holzkohle-Grill, der im Pure White Food Club auf spektakuläre 1.000 Grad Celsius hochgeheizt werden kann. Das Foto zeigt den kleineren Grill im Pure White, der es auf stolze 850 Grad schafft.

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Der kleine Auftakt fällt mit Mouthbomb – Salat mit italienischem Spargel, Seegras und gegrilltem Romana (15,50 Euro) recht unspektakulär und arg simpel aus. Das geht geschmacklich in Ordnung, wenngleich ein wenig verbindendes Dressing fehlt.  Gegrilltes Brot mit Lardo (9 Euro) ist eine sichere Wahl, ein Hinweis, um welchen Lardo genau und ob es sich um selbstgebackenes Brot handelt, fehlt leider.

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Die nächste Vorspeise gefällt mir deutlich besser. Für das Carpaccio Grand Gourmet: handgeschnittenes Rinder-Carpaccio mit Trüffel-Mayonnaise und gebratenem Ozaki-Beef (23 Euro) sollte der Gast allerdings über gute Zähne verfügen: das rohe Fleisch ist recht dick geschitten und kaum plattiert. Dadurch ist es sehr bißfest und erfordert eine gewisse Kauleistung. Die fehlende Zartheit hat aber einen aromatischen Vorteil: es bleibt fleischig und schmelzend zugleich und beim Kauen entwickelt sich ein intensives Aroma. Das Wagyu greift diesen Schmelz bestens auf und fügt prägnante Grillnoten hinzu. Mundwässernd.

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Beim ersten Hauptgericht – Gegrillter Heilbutt mit Limoncello-Eis, Rettich aus Italien und Salicorn (32 Euro) – überzeugt mich die Frische des Fisches, der schöne Grillnoten hat und in saftige Elemente zerfällt, nicht vollends. Das ist schade, weil die Begleitung stimmig und interessant zugleich ist. Zu Beginn ist der kühle Kontrast vom süß-sauren Eis ein willkommener Gegenpol zum an und für sich langweiligen grün-salzigen Queller und der dezenten Kohligkeit des Kreuzblütengewächses. Das Eis schmilzt – je nach Ess-Tempo – und bildet dann eine feine Sauce. Gute Idee.

DSC_8847Die Idee, Bärlauch bei Lemon & Garlic Emotion: Ribeye Jack O’Shea mit gegrillten italienischen Zwiebeln, Bärlauch und Aioli von sizilianischen Zitronen (35 Euro) als Gemüse zu servieren, ist hervorragend. Beim Zusammenfallen hat die im Frühjahr omnipräsente Pflanze zu meiner Freude von ihrem dominaten Aroma eingebüßt. Auch die karamellisierten Zwiebeln sind sehr gut. Das Fleisch zeigt dann, daß zwischen Grillen und Grillen Welten liegen – das wird schwierig, mit dem Weber Gasgrill zuhause hinzubekommen…

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Inside Spring – essbarer Schneeball mit Limette und italienischem Erdbeer-Salat (15 Euro) ist eine eiskalte Enttäuschung. Die Essbarkeit leidet unter dem viel zu festen Schnellball und auch die Aromatisierung mit Limettensaft und darüber geriebenen Zesten kann nicht über den Eindruck von gefrorenem Wasser hinwegtäuschen. Die Sponge-artigen Elemente sind zudem noch äußerst fest und kleben an den Zähnen.

DSC_8858Geschmacklich um Längen bessser gerät Pistacchio Italiano: hausgemachtes Pistazieneis mit kandierten Pistazien (14 Euro). Sicherlich braucht die Küche für das intensive (pacossierte) Eis eine Menge der aufgrund aufwändiger Ernte und Verarbeitung nicht ganz günstigen Steinfrucht – der Preis für eine Kugel Eis ist dennoch beinah obszön. Die wahrscheinlich für immer teuerste Kugel Eis meines Lebens.

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Kurzum: Bei mir hat es im Pure White Food Club nicht Zoom gemacht. Kleinere Ungenauigkeiten beim Zubereiten und Anrichten lassen sich sicherlich auf nicht hundertprozentig eingespielte Abläufe in der Eröffnungsphase zurückführen und somit teilweise entschuldigen – dazu offenbart die offene Küche eben beste Einblicke. Eventuell lag meine generelle Erwartungshaltung ein wenig zu hoch und bescherte mir ein durchwachsenes Erlebnis. Ich sollte dem Original irgendwann doch noch einen Besuch abstatten.

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