Schumachers, Bergheim

DSC_8929In seinem bisherigen Leben hat er so einige Runden gedreht. Eine Lokalrunde für die Honneurs gehört heute mangels Anwesenheit nicht dazu. Ebenso fehlen Boxenluder oder VIPs, dafür sind die Mechaniker um Chefkonstrukteur Philipp Längsfeld vollständig zum Dienst angetreten. Und die Leistungsschau findet heute nicht in Form von Bolliden mit Pferdestärken statt, sondern auf dem Teller.

Die Rede ist vom ehemaligen Formel 1-Rennfahrer Ralf Schumacher. Der in Hürth geborene – und wie sein Bruder Michael im nahegelegenen Kerpen auf der elterlichen Kart-Bahn mit dem Rennvirus infizierte – 39-Jährige hat im September 2014 in Bergheim bei Köln mit dem Schumachers ein eigenes Restaurant eröffnet.

Der Wechsel vom Risikosport zum Risikoinvestment war eher Zufall: Schumacher besitzt schon länger  in Heimatnähe die Immobilie, die auch zuvor für Gastronomie genutzt wurde. Als der letzte Pächter ging, nahm der ehemalige Rennfahrer das Steuer selbst in die Hand. Dafür holte er sich mit Philipp Längsfeld einen Koch an den Herd, der zuvor schon im Husarenquartier in Erftstadt und im Poisson in Köln Sterneluft schnupperte.

Der schmucke Altbau in der etwas tristen Bergheimer Fußgängerzone wurde ansprechend saniert und der sich über zwei Etagen erstreckende Gastraum nach Schumis Geschmack edel-leger im Landhausstil zwischen Sylt und Mittelmeer eingerichtet – speziell, aber nicht protzig. Auch die Küche verfolgt kein eindeutiges Konzept. Auf die teuren Rivièra Maison-Tische kommen fast nur Gerichte, die Ralf selber gerne mag: gute Produkte, verständlich zubereitet und ohne Schnickschnack. Passend dazu sind sind auch Wein- und Speisekarte sehr übersichtlich.

DSC_8947Das etwas bittere Spargelcrèmesüppchen als Amuse gueule bleibt recht unauffällig.

DSC_8955Das Tatar vom Nebraska-Rinderfilet mit pochiertem Eigelb, frischem Stangenspargel und Sauce béarnaise gefällt besser. Die Vorspeise ist klassisch angelegt und würzig, aber nicht überwürzt und präzise zubereitet. Einzig das Filet könnte etwas expressiver schmecken.

DSC_8959Es ist, was es ist: Zweierlei vom Matjes mit Speck-Kartoffel und Hausfrauensauce. Das schmeckt, schlicht und ergreifend, ordentlich. Natürlich ist das nicht spektakulär und eher rustikal, aber eben einen entscheidenden Tick besser als viele gutbürgerliche Restaurants so eine Vorspeise oftmals präsentieren.

DSC_8967Die Seezunge mit Butterkartoffeln, Spinat und Beurre Blanc ist ausgezeichnet saftig an der Gräte gebraten. Die Beilagen sind auf den Punkt. Der qualitativ gute Fisch steht im Mittelpunkt und wird „wie früher“ begleitet – einfach unspektakulär lecker.

DSC_8969Ein mehr als ordentlicher Gesamteindruck, der auch für das Zweierlei vom Kalb (Bäckchen und Filet) mit Kartoffelstampf und Rahmwirsing gilt. Überhaupt gibt es im Schumachers sehr viel „Zweierlei“ und „Variation von…“. Diesen Hauptgang hätte die Küche optisch allerdings etwas ansprechender auf den Teller bringen können – so sieht es etwas nach Kochversuchen von Stef’s Table aus…

DSC_8974Hausgebackener Schokoladenkuchen mit Vanilleeis – oft gegessen, oft selbst zubereitet. Kein Bohei, um welche Schokolades es sich handelt und dennoch: wenn ich mir schon ein langweiliges Dessert bestelle, dann soll es bitte mit klarem Schoko-Geschmack und intensivem Eis wie hier punkten.

DSC_8979Auch die seltsam geteilte Mango-Schnitte gelingt der Küche ansprechend und wirft nur die Frage auf, wo denn die zweite Hälfte bleibt…

Natürlich sind das alles keine kulinarischen Quantensprünge. Das Schumachers in Bergheim ist ein sympathisches Nachbarschafts-Restaurant mit angemessenem Preis-Leistungs-Verhältnis. Das Schöne ist, die Küche weiß, was sie tut. So betreibt Ralf Schumacher kein Promi-Lokal mit zweifelhaftem kulinarischen Anspruch. Keine Spur von Bussi Bussi-Gehabe oder C-Prominenz: die Gäste scheinen sich offenkundig zu freuen, zum gehobeneren Essen nicht mehr in die nahe Domstadt fahren zu müssen und haben sich teilweise vielleicht deshalb überraschend mit Abendgarderobe herausgeputzt und kommen nicht wie wir mit verstaubten Schuhen vom Stadionbesuch. Die Küche sollte noch ein wenig am Anrichten feilen und unbedingt die Fehler in der Speisekarte ausmerzen. Das Schumachers hat die Chance, mehr als ein paar Runden zu drehen.

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