Hausmann’s, Düsseldorf

Ich habe nichts gegen Fernsehköche. Auch nicht gegen Geschäftstüchtigkeit oder gegen Vermarktung. Unser Fernseher hat einen Ausschalter – ich kann bestimmen, ob ich mir das anschaue. Gegen schlechtes Essen habe ich etwas. Gegen das Glaubenmachen, dass man ruckzuck kochen könne. Daß man etwas aufreißt, den Dosenöffner betätigt und irgendwie fix zusammenrührt. „Ich habe da mal was vorbereitet“. Schneller Teller, 20-Minuten-Küche – klappt eh nicht, wenn es vernünftig werden soll. Außerdem ist Kochen für mich Muße, Herunterkommen, Ablenkung und Befriedigung. Manchmal ist auch nur der Weg das Ziel…

Nun eröffnen durch das TV bekannt gewordenene Köche auch Restaurants, wenn sie nicht schon zuvor Gastronomen waren und ihr Lokal durch die mediale Präsenz einfach nur quersubventionieren. Das deutsche Pendant zu Jamie Oliver ist Tim Mälzer. Der umtriebige Hamburger und der dauerquasselnde, aber glaubhaft engagierte Brite haben sogar mal zusammen im Restaurant gearbeitet. Ich bekenne: auch ich habe ein Kochbuch von Oliver. Es ist noch nicht einmal schlecht, man muß einfach nur weniger deftig würzen. Tim Mälzer betreibt seit längerem in Hamburg im Schanzenviertel die Bullerei. Wir waren sogar noch letztens da; für eine Kleinigkeit ist es unklompliziert, schmeckt ordentlich und kostet nicht die Welt. Es ist auch alles eine Frage der Erwartungshaltung.

Risotto mit Blumenkohl, gekocht nach Jamie Oliver

Risotto mit Blumenkohl, auf Stef’s Table, gekocht nach Jamie Oliver „Genial italienisch“

"Deli Burger" mit Tomaten- Dry-Aged-Rinderhack Farmersalat und Cheddar in der Bullerei

„Deli Burger“ mit Tomaten- Dry-Aged-Rinderhack Farmersalat und Cheddar in der Bullerei

"Schneller Teller" Tortilla mittags in der Bullerei

„Schneller Teller“ Tortilla mittags in der Bullerei

Mit seinem Partner Patrick Rüther hat Mälzer Mitte 2015 ein weiteres Hausmann’s in Düsseldorf eröffnet. Neben dem neuen Restaurant in der gastronomisch zweifelhaften Altsstadt der nordrhein-westfälischen Landeshaupstadt existiert bereits das gleiche Konzept im Frankfurter Flughafen. Nachdem ich beim ersten Besuch vom „in Apfelmost eingelegten gegrillten 1/2 Bauernhahn mit Hausmann’s Gurkensalat, Fenchel & Buttermilch“ (15,90 Euro) positiv angetan und von den horrenden Preisen für die recht attraktive Craft beer-Auswahl (And Union Friday 0,4 l vom Faß 6,40 Euro) überrascht war, bot eine Mittagsverabredung Gelegenheit für einen erneuten Besuch und dieses Mal hatte ich die Kamera dabei.
Das Ambiente ist angenehm stylish, aber nicht unterkühlt, das sich nach hinten öffnende Restaurant groß, aber nicht unübersichtlich und der Service aufmerksam – insgesamt mit süß gemachter Kinderkarte (was auch immer man davon halten mag) ein familienfreundliches Lokal.FullSizeRenderDSC_3270DSC_3273Zum Auftakt serviert der Service eine Düsseldorfer Senfsuppe mit Buttermilch, Schmorgurken und Dill (7,90 Euro), die aus unerfindlichen Gründen eigentlich nur auf der Abendkarte steht. Die wirklich heiße Suppe wurde kräftig abgeschmeckt und ist reichhaltig. Dabei überzeugt aber die ausgeglichene Abstimmung zwischen Schärfe, Säure und Süße – insgesamt wirkt das Gericht mit Lokalkolorit sehr natürlich. Ordentlich.DSC_3277Auch das Hühnerfrikassee mit Kräuterreis, Erbsen, Spargel und gehobelten Steinchampignons (19,50 Euro) punktet mit Natürlichkeit. Die Würzung fällt hier überraschend mild aus und die Konsistenz hat nichts mit meinen albtraumhaften Erinnerungen an schleimige Mehlschwitze-Zubereitungen einer Hähnchenfleisch-Resteverwertung zu tun. Leichte Röstnoten fügt der angegrillte Grünspargel hinzu, ein wenig Säure (Zitrone oder Kapern) hätte noch zusätzliche Akzente setzen können. Nicht nur die gute (Fleisch)Qualität, auch die Portionsgröße rechtfertigt den gegenüber Brauhäusern gehobenen Preis.DSC_3282Und es las sich so gut auf der Speisekarte und der Gottvater der Gastronomiekritik, Jürgen Dollase, hatte Mitte August in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom Kartoffelrisotto mit gebratenem Rübstiel, Belper Knolle & Zitronenöl“ beinahe geschwärmt, als er von einem „feinen und süffigen Geschmacksbild“ schrieb. Heute schmeckt das schlüssig konzipierte Gericht salzig und hat eine Note, die ich mit dem Aroma gekörnter Brühe in Verbindung bringe. Die Kartoffelwürfel waren zusätzlich einen Tick zu al dente gegart. Schade.

Das Hausmann’s ist einen Besuch wert, wenn man gerade in der Nähe unterwegs ist oder Düsseldorf-Besucher nach einer Empfehlung fragen. Sollte mich der Ortsfremde nach einem authentischen Erlebnis mit Brauhaus-Charakter in der Altstadt fragen, würde ich ihm das Uerige empfehlen: Craft Beer seit 1862 und ordentliche, rustikale Speisen – ich werde das demnächst näher unter die Lupe nehmen. Tim Mälzers neues Restaurant hebt sich kulinarisch von vielen „Touristenfallen“ in der Altstadt ab. Allerdings spiegelt sich die Lage auch in den Preisen wider. Dafür – und das scheint ja für viele Gäste ein Kriterium zu sein – wird man satt, die Portionen sind groß.

2 Gedanken zu „Hausmann’s, Düsseldorf

  1. Carolin Wiedemeyer

    Wenn du das authentische Gefühl in Düsseldorf suchst, sei dir – eher als da Uerige – das Füchschen auf der Ratingerstr., der Goldene Kessel auf der Bolker oder besser noch das Schumacher auf der Oststraße anempfohlen…

    Antwort
    1. weinreise Autor

      Ich kenne sie alle!;-) Das Alt schmeckt mir im Uerige am besten, gefolgt von Schumacher. Füchschen ist kein Favorit von mir – aber so hat jeder seine Präferenzen.

      Antwort

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