Appetithappen: Tafelspitz 1876, Düsseldorf

DSC_4631Ich hatte mir fest vorgenommen, diese Restaurantkritik nicht mit der vielfach zitierten Biografie von Inhaber und Küchenchef Daniel Dal-Ben zu beginnen. Doch nach unserem Besuch im Tafelspitz 1876 ist diese unumgänglich. Dabei spielt eher keine Rolle, dass der 43-Jährige unter den Küchenchefs der, für eine Landeshauptstadt gar nicht so vielen Restaurants mit Michelinstern (6 mal 1*, einmal 2*), das einzige Düsseldorfer Urgestein ist. Viel wichtiger ist, dass er vor seiner Restauranteröffnung „nur“ eine Kochlehre im Brauereiausschank Frankenheim absolvierte und  weitere markante Stationen fehlen.

Bereits 2002 eröffnete er sein Restaurant in einer Seitenstraße der berühmten (Eisstadion) und vielbefahrenen Brehmstraße am Rande des Zooparks. Ebenso wie im Zoopark außer Enten, Gänsen und Häschen schon lange keine Tiere mehr leben, gibt das klassische, namengebende österreichische Gericht keinen Aufschluss über die Küchenrichtung im Restaurant. In  Wohnzimmeratmosphäre kümmert sich neben dem kleinen Küchenteam nur die herzliche Restaurantleiterin Swetlana Brakowski um die Gäste. Seit Ende 2008 leuchtet ein Michelinstern über dem Restaurant, das wir als „Nachbarschafts“-Restaurant zwar häufiger besucht haben, zuletzt allerdings vor längerer Zeit – abgesehen von einer Belieferung durch Foodora.

Wir nehmen bei milden Temperaturen auf der kleinen Terrasse Platz. So erklärt sich die abnehmende Bildqualität der Fotos bei schwindendem Licht und ist nicht dem übermäßigen Alkoholkonsum geschuldet.

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Da braut sich was zusammen

DSC_4558Möglicherweise ist dies auch eine Geschichte vom Scheitern. Das kommt vor, wenngleich gewöhnlich in der Berichterstattung naturgemäß eher kurz. Für einen Moment steht für mich persönlich gar die strapazierte Redewendung „Hochmut kommt vor dem Fall“ zur Disposition. Die Fallhöhe jedenfalls ist beachtlich, denn wir sind zurück im Marieneck in Köln.DSC_4593Zum zweiten Mal nach der letztjährigen Premiere des Rheinkombinats beim Summer of Supper kochen wir für 40 Gäste auf. Zwei hintereinander, das ist schon so etwas wie eine Serie, oder? In diesem Zusammenhang möchte ich aber nichts von Binge hören – öfter als einmal im Jahr muß das eigentlich* nicht sein. Das ist herausfordernd und anstrengend. So steigt mein ohnehin schon vorhandener Respekt für das tägliche Tun von Küchencrews überproportional.DSC_4154 Weiterlesen

Appetithappen: Phoenix, Düsseldorf

DSC_8744High price in the high rise – die Preise im vor einem guten halben Jahr eröffneten Restaurant Phoenix im Dreischeibenhaus in Düsseldorf sind nicht von schlechten Eltern. Zum Glück existiert zum Ausprobieren neben der normalen Karte ein günstigeres Mittagsangebot. Für mich ist das durchaus ein probates Mittel zur ersten Bestandsaufnahme: Wer sich beim abgespeckten Lunchprogramm Mühe gibt, macht sich für einen abendlichen Besuch interessant. Rückschlüsse auf die Gesamtqualität der Küche sind freilich nicht möglich.Ich gebe zu, dass ich skeptisch bin. Die Berichterstattung über die Restauranteröffnung fand eher im Ressort Stil und in Architektur und Design affinen Publikationen statt. Natürlich prägt das elegante Hochhaus, das einst für den Montankonzern  Phoenix-Rheinrohr AG Vereinigte Hütten- und Röhrenwerke errichtet wurde (daher der Restaurantname) und lange Jahre Thyssen gehörte, das Stadtbild. Die Sanierung und die Inneneinrichtung – kurz: as seen in Mad Men mit einem Twist Moderne – sind gewiss geschmackssicher sowie cool und einer Erwähnung wert, mich interessiert aber in erster Linie das Essen. Und darüber hatte ich bei Gotorio neben einer herrlichen Beschreibung der Düsseldorfer Hautevolee als „Düsseldorf-typischen Panoptikums“ nicht unbedingt Positives gelesen. Vom anderorts erwähnten Fotografie-Verbot konnte ich augenscheinlich nichts feststellen. Weiterlesen

Bread & Roses, Düsseldorf

DSC_2819The boys are back in town! Zurück! Schön, dass sie wieder da sind! Sie konnten es nicht lassen und haben einen coolen Laden geschaffen: Die Gastrobar Bread & Roses. Die Rede ist natürlich von Volker Drkosch und Michael Noack. Gut eineinhalb Jahre sind vergangen, seit Küchenchef Drkosch das Victorian verließ, und beinahe ein Jahr lang bereicherte auch der Elder Statesman unter den Gastgebern und Sommeliers, Michael Noack, nicht mehr die Düsseldorfer Gastroszene.DSC_2835Richtig weg waren sie aus Düsseldorf natürlich nicht. So konnte man den Wahl-Düsseldorfer Drkosch, der – ja, ja die Liebe – seinen Lebensmittelpunkt in der Landeshauptstadt beließ, auf seinem Kiez treffen. Wenn er seine kulinarischen Ideen bei einem Heißgetränk in Olga Sabristovas Die Kaffee plante oder wenn er bei den Bauern auf dem klasse Erzeugermarkt am Kolpingplatz einkaufte. Netzwerke spielen auch bei seiner Neueröffnung eine Rolle…DSC_2833…und noch am Mittag vorm abendlichen Restaurantbesuchs kauft Drkosch beim Bio-Kräutergärtner Thees frisch für den Abend ein – ich bin gespannt, was er aus Asia-Salat, Wasabikraut, Blüten und Rettichkresse später auf die Teller und in die Schüsseln bringt. Die Kaffeebohnen im Bread & Roses stammen vom oben genannten Lieblingscafé und Metzger Udo Erkes aus Glehn probiert am Abend nicht nur die Neueröffnung aus, sondern liefert auch Fleisch aus eigener Zucht vom Schwäbisch-Hällischen Schwein und vom Roten Höhenvieh. Auch das Pempelforter Hochzeitsdreieck spielt eine Rolle: Von der Lebensgefährtin (Blumenhaus am Hofgarten) stammen die geschmackvollen Blumenarrangements, für das Porträt auf der Menükarte sowie die großformatigen Photographien zeichnet sich Klaudia Taday von Fotografie am Hofgarten verantwortlich und aus der Pâtisserie Passion hat der Küchenchef sich Antonia Majunke ins Boot geholt. Weiterlesen

Nenio, Düsseldorf

„Because something is happening here / But you don’t know what it is / Do you, Mister Jones?“, fragte Bob Dylan in Ballad Of A Thin Man. Das ist jetzt weit hergeholt, aber hätte er mir diese Frage in Bezug auf Düsseldorf gestellt, hätte ich eine Antwort parat. Tja, irgendetwas passiert hier im Dorf und ich weiß, was es ist. Beinah binnen eines Monats gab es eine interessante Neueröffnung nach der anderen. Volker Drkosch ist mit seinem Bread & Roses wieder aufgetaucht, Alexandre Bourgueil mit seinem Bistro Fatal zurückgekehrt und Bastian Falkenroth hat seine gastronomischen Unternehmungen um das Nenio erweitert.DSC_2731Vergleiche hinken und ebenso wie sich Mister Dylan auch mit nunmehr 75 Jahren auf dem Buckel nicht über eine kulinarische Bestandsaufnahme der Landeshauptstadt informieren wollte, sind Rufe à la „Wie das Nobelhart & Schmutzig!“ oder „Der macht jetzt auf Kevin Fehling!“ in Zusammenhang mit dem Nenio unpassend. Nur weil es in Berlin und Hamburg auch eine Theke gibt, an der die Gäste zum Essen und Trinken Platz nehmen, bleiben es Restaurants völlig anderer Couleur: bei den einen ist es brutal lokal, bei dem anderen hochkomplexe Dreisterneküche in recht spektakulärem Ambiente.DSC_2773Zurück zum Nenio: An der in U-Form um einen kleinen Küchenblock gebauten Theke finden bis zu 15 Personen Platz. Das Nenio erhebt die Exklusivität eines Chef’s Table, der schon zuvor in Falkenroths Küche zum Inventar gehörte, zum Konzept. Dafür wurde von der großen Küche ein Bereich abgetrennt. Der Rest der großen Küche dient noch immer zur Vorbereitung und beschickt vor allem das Café Uhlenbusch (tagsüber) und das weiterhin betriebene U.das Restaurant (abends). Im neuen Teil halten schwere Vorhänge die Lichter der Großstadt und neugierige Blicke fern. Das dunkel gehaltene und schummerig beleuchtete Interieur lässt ein wenig – etwas überspitzt formuliert – Dark-Room-Feeling aufkommen. Ich hätte es gerne heller. Klar, zum Fotografieren (ein Hoch auf Adobe  und besonders weil ich mein Essen in allen Details sehen mag.  Weiterlesen